Scheib ist die ÖSV-Versicherung
Vorjahres-Siegerin, Kugel-Gewinnerin – die Erwartungen an Julia Scheib vor dem Saison-Auftakt waren (zurecht) enorm. Die Hoffnungen auf einen erneuten Sieg in Sölden platzten bei der Steirerin und den rot-weiß-roten Fans im Steilhang – Ausfall.
Dass Scheib im Riesentorlauf die ÖSV-Erfolgs-Versicherung ist, zeigte sich danach: Keine einzige ÖSV-Athletin qualifizierte sich für den 2. Durchgang. Einzige Österreicherin im Endklassement war Franziska Gritsch (9.), die aber im Privat-Team außerhalb des ÖSV trainiert.
Was für die kommenden Rennen zuversichtlich macht: Scheib war bis zu ihrem Ausfall die Schnellste.
Aichers Ansage im Gesamtweltcup
Dass Emma Aicher in dieser Saison wieder ein ordentliches Wörtchen um den Gesamtweltcup mitreden wird, war bereits vor dem Auftakt in Sölden klar.
Mit dem ersten Podestplatz im Riesentorlauf ihrer Karriere machte die 22-jährige Deutsche aber gleich im ersten Rennen eine gehörige Ansage in Sachen große Kristallkugel – während ihre Konkurrentin Mikaela Shiffrin ihre Halbzeitführung am Rettenbachferner nicht ins Ziel brachte und "nur" Siebente wurde.
"Mit vier Disziplinen ist ja sehr deutlich, dass das ein Ziel ist, denke ich", sagt Aicher in ihrer gewohnt trockenen Art über den Gesamtweltcup. Die DSV-Athletin will in diesem Winter alle 40 Weltcup-Rennen bestreiten und damit so viele wie keine andere Athletin.
Bleibt abzuwarten, wie viele Slaloms Shiffrin am Ende wirklich auslässt. In der vergangenen Saison trennten die beide am Ende nur 87 Punkte.
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ÖSV-Männer: Anspruch und Wirklichkeit
"Unser Anspruch soll sein, jedes Rennen so in Angriff zu nehmen, dass wir gewinnen wollen. Und das von Sölden an", posaunte ÖSV-Männer-Cheftrainer Marko Pfeifer vor dem Saisonstart.
Der Wille zu gewinnen war bei den ÖSV-Athleten weitestgehend vorhanden, bei dem einen oder anderen vielleicht zu ausgeprägt. Sieg-Anwärter Marco Schwarz schied im 1. Durchgang aus, er hat laut eigener Aussage eine "zu freche" Linie gewählt. Stefan Brennsteiner, zur Halbzeit noch auf Podestkurs, stand am Ende ratlos und mit Rang elf da.
Bester Österreicher war Raphael Haaser als Fünfter, vom Sieg war Rot-Weiß-Rot aber recht weit entfernt. "Man sieht schon, dass wir eine Mannschaft haben, das ist einmal gut. Aber natürlich wollten wir auf das Podium beziehungsweise gewinnen. Im Vorjahr war es hier sehr gut, heuer vielleicht ein bisschen ein holpriger Start", bilanzierte ÖSV-Alpin-Chef Christian Mitter.
Ramba-Samba gleich zu Beginn
Was für eine Ansage von Lucas Braathen gleich im ersten Saison-Rennen. Der Olympiasieger schloss nahtlos dort an, wo er im vergangenen Winter aufgehört hat und ließ die Konkurrenz staunen und die brasilianischen Flaggen wild wehen. Da spielte es Ramba-Samba am Rettenbachferner!
Diesmal war sogar der dreifache Sölden-Triumphator Marco Odermatt machtlos. Der Schweizer, der von sich selbst sagt, dass er nicht mehr in der Topform wie vor zwei Jahren ist, wird sich auch im Gesamtweltcup warm anziehen müssen.
Braathen macht keinen Hehl daraus, dass er die große Kristallkugel gewinnen will. "Für mich ist das nur natürlich. Ich war Zweiter letztes Jahr. Eines meiner größten Ziele ist, den Gesamtweltcup nach Hause zu holen, bevor ich mit Skifahren fertig bin", sagte der Brasilianer, der in dieser Saison zusätzlich Punkte im Super-G sammeln will.
"Ich fühle, dass ich in einem Stadium meiner Karriere bin, in dem ich dazu fähig bin. Also los geht's."
Der Ski-Sport zieht weiterhin
Rekord-Hitze hier, Klimakrise da – Österreich bleibt ein Wintersport-Land. Das hat das vergangene Wochenende einmal mehr bewiesen.
Ob ein Weltcup-Auftakt im Oktober mit all seinen Begleiterscheinungen noch zeitgemäß ist, darf jeder für sich selbst entscheiden. Bei den Ski-Fans scheint sich diese Frage kaum zu stellen. Laut Veranstalter-Angaben pilgerten insgesamt knapp 29.000 Zuschauer trotz teilweise ungemütlicher Wetterbedingungen auf den Rettenbachgletscher.
Das waren dennoch gut 2.300 weniger als im Vorjahr.