Marco hat sich mit der Trennung vom Slalom – das war eine Riesenleidenschaft von ihm – schwer getan, das war ein Prozess.
Das ist ein Stück weit auch ein Eingeständnis der Grenzen des Allrounders. Vier Disziplinen zu trainieren und in allen konkurrenzfähig zu bleiben, verlangt enorme Ressourcen. Im fortgeschritteneren Rennalter und nach einer schweren Verletzung wird die Frage wichtiger, ob sich der größte Aufwand tatsächlich lohnt.
"Mit dem ganzen Drumherum, den Planungen und dem FIS-Kalender lassen sich vier Disziplinen nicht mehr vereinbaren", sagt Schwarz. "Irgendwann muss ich regenerieren, jetzt bin ich auch schon über 30. Ich habe auch schon eine Verletzungs-Historie hinter mir, da muss ich einfach vernünftig sein."
"Ich bin keiner, der den leichten Weg sucht"
Dabei ist der Switch hin zu den Speed-Disziplinen keineswegs die bequeme Alternative. Schwarz muss dort noch mehr Entwicklungsschritte machen, als er es im Slalom hätte machen müssen. Er tauscht also ein Stück sportlicher Sicherheit gegen eine neue Möglichkeit ein.
"Ich bin keiner, der den leichten Weg sucht", sagt Schwarz angesprochen auf die im Vergleich zum Slalom etwas geringere Dichte in den Speed-Disziplinen.
Auch die emotionale Seite dieser Entscheidung sollte nicht unterschätzt werden. Wer eine Disziplin über Jahre trainiert, Erfolge mit ihr verbindet und sich über sie definiert, legt sie nicht einfach ab wie ein Paar Ski.
"Letzte Saison ist er bei jedem Rennen mit dem Gedanken am Start gestanden: Ist das jetzt mein letzter Slalom hier? Marco hat sich mit der Trennung vom Slalom – das war eine Riesenleidenschaft von ihm – schwer getan, das war ein Prozess", erklärt ÖSV-Männer-Cheftrainer Marko Pfeifer.
Das macht Schwarz zu einem guten Speed-Fahrer
Mittlerweile, sagt Schwarz, fühlt er sich mit der Entscheidung wohl, den Slalom aufgegeben zu haben.
"Ich freue mich auf die neuen Aufgaben. Auf mich wartet im Super-G und in der Abfahrt noch viel Arbeit, damit ich da mal halbwegs mitfahren kann. Von dem her wird mir nicht langweilig."
Dass er in den schnellen Disziplinen mehr als "halbwegs mitfahren" kann, hat Schwarz schon bewiesen.
Im Dezember feierte er in Livigno seinen ersten Weltcup-Sieg im Super-G. Vor seinem Kreuzbandriss fuhr er in der Abfahrt zwei Mal in die Top Ten, verpasste bei der WM 2023 eine Medaille als Vierter nur knapp.
"Er hat ein extrem gutes Gefühl dafür, die Ski gehen zu lassen. Das ist vor allem in den Speed-Disziplinen brutal entscheidend. Das hat ihn von Anfang an trotz wenig Aufwand schnell gemacht. Das Technische bringt er mit, aber das Gefühl mit dem Innenski ist das Entscheidende", erklärt Pfeifer, was Schwarz zu einem guten Speed-Fahrer macht.
Die Kugel als nächstes logisches Ziel
Am Sonntag sind aber einmal die Riesentorlauf-Skills des Kärntners gefragt.
Auf dem Rettenbachferner war er im Vorjahr Zweiter hinter Marco Odermatt. Sein Trainer traut ihm heuer den Sieg – und noch mehr zu.
"Wir wollen, dass er um die Kugel mitfährt im Riesentorlauf. Er war letztes Jahr am Podium, hat gewonnen, da ist das nächste Ziel die Kugel im Riesentorlauf und auch im Super-G", stellt Pfeifer klar.
In Punkto Gesamtweltcup bremst der ÖSV-Chefcoach die Erwartungen aber. "Wenn ihm alles aufgeht, dann ja, aber sonst sind andere mit zwei Disziplinen zurzeit noch besser."