Interview

Stadlober: "Wir können in jeder Disziplin eine Medaille holen"

ÖSV-Präsidentin und ÖOC-Vizepräsidentin Roswitha Stadlober spricht im Interview über Olympia vor der Haustür, Visionen für den Wintersport und Österreichs Rolle bei den Spielen.

Stadlober: "Wir können in jeder Disziplin eine Medaille holen" Foto: © GEPA

Bei Roswitha Stadlober wecken die Olympischen Spiele 2026, nur wenige Stunden von Österreich entfernt, Erinnerungen.

Die ÖSV-Präsidentin und Vizepräsidentin des Österreichischen Olympischen Comités kennt Olympia aus mehreren Perspektiven: als aktive Athletin, die selbst zwei Mal bei Winterspielen am Start stand, als Mutter einer Olympionikin - und heute als eine der wichtigsten Funktionärinnen im österreichischen Sport.

Im LAOLA1-Interview spricht Stadlober über prägende Olympia-Momente, Visionen für den Wintersport in Österreich, große Events der Zukunft und Österreichs Rolle bei den Spielen in Mailand/Cortina.

LAOLA1: Wie groß ist bei Ihnen persönlich die Vorfreude auf diese Olympischen Spiele, so nahe an der Heimat?

Roswitha Stadlober: Ich habe auf dem Weg zur Olympia-Einkleidung nach Wien an meine Einkleidung damals gedacht. Ich habe mich im letzten Rennen in Kranjska Gora noch qualifiziert, da war ich total fertig. Also es ist vielleicht ein bisschen ein Zurückkommen. Wobei heute natürlich alles viel professioneller ist.

LAOLA1: Was ist Ihre prägendste Olympia-Erinnerung, abgesehen von Ihrer eigenen Teilnahme?

Stadlober: Da gibt's viele, weil ich sehr sportbegeistert bin. Als Kind war das natürlich Innsbruck 1976. Das war das erste Wahrnehmen, dass es Olympische Spiele gibt. Brigitte Totschnig ist ja aus meiner Gegend und ist damals hinter Rosi Mittermaier Zweite geworden und Franz Klammer natürlich. Was noch prägend war - da bin ich dann schon selbst gefahren: Annemarie Moser-Pröll 1980 in Lake Placid. Ansonsten natürlich Hermann Maier in Nagano und das Verlaufen meiner Tochter 2018.

LAOLA1: Ist Teresas Missgeschick bei Ihnen zuhause noch Thema, gerade in Zeiten wie diesen, wenn wieder Olympische Spiele anstehen?

Stadlober: Ja, schon, das gehört zu ihrer Geschichte dazu. Das kommt immer wieder auf und das wird ihr bleiben. Aber sie hat das damals relativ schnell abgehakt. Sie hat von ihren Cousinen eine Tasse bekommen, wo drauf steht: Aufstehen, Krone richten, weitermachen. Das ist eigentlich so das, was bleibt.

Die Chance besteht prinzipiell schon, vor allem wenn man sagt, die Spiele werden kleiner und bestehende Sportstätten genutzt. Aber ob ich es noch erleben werde?

Stadlober über Olympische Spiele in Österreich

LAOLA1: Bei Olympischen Spielen im Nachbarland stellt man sich unweigerlich die Frage: Olympia in Österreich - ist das mittelfristig realistisch?

Stadlober: Die Chance haben wir mit Innsbruck 2026 vertan (Anm.: Bei einer Volksbefragung sprachen sich 53 Prozent gegen eine Olympia-Bewerbung von Innsbruck-Tirol 2026 aus). Da sieht man jetzt, das hätte genau gepasst. 2030 finden die Winterspiele in Frankreich statt, danach gehen sie sicher nach Asien oder Amerika. Die Chance besteht prinzipiell schon, vor allem wenn man sagt, die Spiele werden kleiner und bestehende Sportstätten genutzt. Aber ob ich es noch erleben werde? Es wäre schön. Vielleicht es ist sogar realistischer, Sommer-Spiele auszurichten, eventuell gemeinsam mit Ungarn, die haben ja großes Interesse. Aber das ist so weit weg.

LAOLA1: Was entgegnen Sie Menschen, die dem Wintersport skeptisch gegenüberstehen?

Stadlober: So wie wir jetzt dastehen, hält der Wintersport, der Wintertourismus im Speziellen, Österreich momentan am Laufen, weil die Industrie schwächelt. Der Tourismus ist auch verbunden mit Großereignissen wie der Ski-WM in Saalbach. Die haben einen Boost durch die WM bekommen, sie hatten in diesem Sommer eine Steigerung bei den Nächtigungen wie noch nie. Davon leben wir aber alle und das ist das, was wir brauchen. Und wenn bestehende Sportstätten da sind, dann können wir die ja nutzen. Und wir müssen auch weiter investieren und an Visionen festhalten. Wenn wir das nicht machen, werden wir noch weiter abrutschen.

LAOLA1: Was sind Ihre Visionen für Wintersport-Events in Österreich in Zukunft?

Stadlober: Natürlich wieder Weltmeisterschaften. Wir werden uns mit St. Anton für 2033 bewerben. Darüber hinaus sicher auch wieder einmal für eine Nordische WM. Das ist das, was den österreichischen Skiverband betrifft. Aber man braucht natürlich die Visionen, dass man wieder Großveranstaltungen in Österreich hat. Das betrifft genauso den Fußball. Warum kann Österreich nicht auch, so wie die Schweiz beispielsweise mit Basel, ein Austragungsort sein? Da braucht es halt die Sportstätten dazu, das ist notwendig. Da kommen wir wieder zum ÖSV: Ich bin der Meinung, dass wir eine Skihalle in Österreich brauchen. Das wird nicht mehr so lange dauern oder dauern können, bis das der Fall sein wird.

LAOLA1: Warum braucht es in einem Wintersportland wie Österreich in Zukunft Skihallen?

Stadlober: Es braucht sie vor allem im urbanen Raum. Wenn der Osten nicht mehr Ski fährt und es auch im Westen vielleicht immer weniger wird, wer hält dann die Tourismusregionen aufrecht, die wir brauchen? Wir können nicht nur von den ausländischen Gästen leben. Es ist wichtig, dass österreichische Kinder zumindest einmal am Ski gestanden sein sollten. Das kann auch Langlaufen oder Snowboarden sein. Aber sie sollten dieses Schneegefühl, dieses Wintergefühl in der Natur erleben, viele kennen das ja gar nicht und wissen nicht, wie schön das ist. Da spielt auch die Gesundheit mit rein. Deshalb brauchen wir eine Skihalle, oder es kann auch eine Schnee-Erlebniswelt sein. Das sind dann die Wintertourismus-Gäste von morgen.

Wenn wir Glück haben, können wir in jeder Disziplin eine Medaille holen.

Stadlober über ihre Erwartungen an die Spiele 2026

LAOLA1: Einerseits kämpft man darum, Kinder und Jugendliche zum aktiven Wintersport zu bringen. Andererseits sind Events wie die Ski-WM in Saalbach oder die Vierschanzen-Tournee Publikums-Magneten. Wie erklären Sie sich das?

Stadlober: Der Hochleistungssport und die Wettkämpfe sind emotional geladen. Das kann man sich nicht kaufen. Diese Emotionen, die der Spitzensport vermittelt, kommen an. Das sieht man auch bei den Einschaltquoten. Was interessant ist: Die höchste Zielgruppe ist von 15 bis 29 Jahren. Also vermitteln wir schon was. Aber wir müssen halt versuchen, auch diese Menschen auf den Schnee zu bringen, um die Zukunft des Wintersports in Österreich abzusichern.

LAOLA1: Kommen wir zurück zu den Olympischen Spielen 2026. In welchen Disziplinen sehen Sie Österreich immer noch – ich zitiere Sie – als gefährlichen Außenseiter und wo sind wir Favoriten?

Stadlober: Favoriten sind wir im Skispringen und auch Julia Scheib ist mit vier Saisonsiegen Favoritin, auch wenn ich es nicht so gerne ausspreche. Im Snowboard zählen wir auch zu den Favoriten, Anna Gasser ist alles zuzutrauen. Die gefährlichen Außenseiter: Manuel Feller kann man zum erweiterten Favoritenkreis zählen. Generell alle, die schon Siege eingefahren haben, wie die Speed-Frauen, da zählen wir schon auch zum größeren Favoritenkreis. Auch im Langlaufen, wo wir schon Stockerl-Plätze hatten. So gesehen sind einige gefährliche Außenseiter dabei. Und dann gibt es immer die Überraschungen. Wenn wir Glück haben, können wir in jeder Disziplin eine Medaille holen.

LAOLA1: Wie viele Medaillen werden es dann am Ende für Österreich?

Stadlober: Ich lege mich auf keine Zahl fest. Wenn wir es schaffen, in jeder Disziplin eine Medaille zu holen, dann sind wir sehr gut. Und das wünsche ich den Sportlerinnen und Sportlern. Ich würde mich für jeden und jede Einzelne freuen, wenn das aufgeht. Das wäre das schönste Ziel.

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