Die Österreicher mit den meisten Skisprung-Weltcupsiegen
LAOLA1: Du bist seit 2023 Mentor von Stephan Embacher. Wie ist es zu eurer Zusammenarbeit gekommen?
Schlierenzauer: Relativ einfach, Stephan hat im Skigymnasium Stams trainiert unter Werner Schuster und zu der Zeit war Werner Schuster auch mein Individualtrainer und ich bin sogar mit Stephan noch bei einem Training zusammen in Seefeld gesprungen. Ich habe dann meine Karriere beendet und Werner hat gesagt, er könnte wirklich was werden, er ist gut am Weg und das könnte auch mit mir als Kombination interessant sein. Ich habe ihn dann angerufen und so hat sich das ergeben.
LAOLA1: Wie darf man sich eure Zusammenarbeit vorstellen?
Schlierenzauer: Er ist grundsätzlich vom Skiverband sehr gut aufgestellt mit seinen Trainern. Ich versuche ihn, wenn er Fragen hat, zu beraten und Erfahrungen, die ich machen durfte und die gut waren, weitergeben - ab und zu ist es Video drüberschauen, ab und zu sind Materialthemen am Tisch. Mir geht es einfach darum, dass er ein Verständnis bekommt für die ganze Sache und er dann einfach seine Sachen durchziehen kann.
LAOLA1: Welche Tipps kann man jungen Athleten geben, um am Boden zu bleiben und seine Sachen zusammenzuhaben?
Schlierenzauer: Ich glaube, in erster Linie geht es darum, es wirklich an die Weltspitze zu schaffen und einfach in Ruhe seinen Weg weiterzugehen und dann passieren eh sehr viele Dinge und prasseln viele Dinge herein. Dann muss man eh wieder schauen, wie das weitergeht. Aber ich möchte einfach auch, dass es ihm als Mensch und persönlich gut geht. Das ist immer das Wichtigste. Und wenn er natürlich im Sport sein Potenzial abrufen kann, ist es umso schöner, aber alles andere hat eigentlich Priorität.
LAOLA1: Dein Onkel (Anm. Markus Prock) war Profirodler und dein Manager. Kann man die Zusammenarbeit zwischen euch und die mit Stephan Embacher irgendwie vergleichen?
Schlierenzauer: Ja, es sind natürlich ganz andere Sportarten, aber klar, wenn du jung bist und neu bist, ist es immer von Vorteil, wenn du wen hast, der schon den Weg gemacht hat und sehr viel Erfahrung sammeln hat können. Und das würde ich schon speziell bei jungen Athleten so sehen, dass das ein Vorteil ist.
LAOLA1: Es gab viel Aufregung um das Material bei der Tournee und auch die Kontrollen und Maßnahmen (Anm. Gelbe-Rote Karten) bei Verstößen wurden verändert. Glaubst du, wird sich die Situation demnächst wieder beruhigen?
Schlierenzauer: Ich finde das super. Das war schon lang nötig im Skispringen und es ist jetzt einfach eine strikte Linie, so gehört es gemacht, es ist jetzt auch ein anderer Zugang. Das heißt, die ganzen Nationen wissen, man muss im Reglement bleiben, man darf es nicht übertreiben, sonst ist man weg und genau so soll es sein im Sinne des Sports, dass wirklich die Leistung am Schanzentisch und in der Luft zählt und nicht mehr die Materialschlacht. Von dem her blicke ich da mit einem tollen Gefühl in die Zukunft des Skispringens.
"Stefan ist ein unglaublicher Athlet. Über einen langen Zeitraum so an der Weltspitze zu sein, das gibt es kein zweites Mal."
LAOLA1: Bald stehen die Olympischen Spiele an. Österreich hat bei den Skispringern vier Startplätze zur Verfügung. Nachdem viele ÖSV-Springer gut sind, wird es ein enger Kampf um die Tickets. Glaubst du, beeinflusst das die Stimmung im Team?
Schlierenzauer: Es ist ein guter Konkurrenzkampf. Das zeichnet auch Team Österreich aus. Sie haben einen Riesenvorteil, weil sie auch im Training sofort wissen, wenn man mit der Leistung dabei ist, fehlt es wahrscheinlich weltweit auch nicht weit. Das ist ein Riesenvorteil, das haben andere Nationen nicht. Die Betreuer machen das sehr gut und dann am Ende des Tages muss jeder Athlet seine eigene Leistung bringen.
LAOLA1: Stefan Kraft springt seit Ewigkeiten auf konstant hohem Niveau und hat schon so viele große Erfolge feiern dürfen. Wo würdest du ihn auf einer Skala der besten österreichischen Skispringer jemals einreihen?
Schlierenzauer: Da brauchen wir nur auf die Statistiken und die Ergebnisse schauen. Stefan ist ein unglaublicher Athlet. Über einen langen Zeitraum so an der Weltspitze zu sein, das gibt es kein zweites Mal und da sind wir schon stolz, dass wir so einen tollen Athleten in Österreich haben.
LAOLA1: Du hältst noch immer den Rekord für die meisten Weltcupsiege. Ist dir das wichtig?
Schlierenzauer: Nein, das passiert. Im Nachhinein, wenn man aus dem Sport heraußen ist, ist es schön, wenn man so was erreichen hat dürfen, aber in Wahrheit zählen die Emotionen und die Geschichten dahinter und es ist nur eine Zahl.