Interview

Lukas Feurstein: "Ich will den Sprung an die Weltspitze schaffen"

Im vergangenen Ski-Winter bewahrte Lukas Feurstein die ÖSV-Männer vor einer sieglosen Saison. Was sein erster Weltcup-Sieg verändert hat und was er in seiner Karriere noch vorhat – Interview:

Lukas Feurstein: "Ich will den Sprung an die Weltspitze schaffen" Foto: © HEAD

Er wirkt reflektiert, ehrgeizig – und erstaunlich unaufgeregt für seine 24 Jahre.

Lukas Feurstein ist eine der vielversprechendsten Ski-Hoffnungen Österreichs. Der Vorarlberger hat sowohl im Riesentorlauf als auch in den Speed-Disziplinen große Ambitionen. Im März 2025 feierte er seinen ersten Weltcup-Sieg und bewahrte das ÖSV-Männer-Team damit vor einer sieglosen Weltcup-Saison.

Im Interview spricht Lukas Feurstein offen über seinen frühen Traum vom Profisport, den Umgang mit dem Wort "Potenzial", Verletzungsrückschläge und eine Wette von Beat Feuz.

LAOLA1: Wann war der Moment, in dem du wusstest: Ich will nicht nur Skifahren, ich will das auf höchstem Niveau machen?

Lukas Feurstein: Ich glaube, ich war zwischen zehn und 15 Jahre alt, als ich gedacht habe, das will ich wirklich richtig professionell machen. Der Traum, Skifahrer zu werden, ist natürlich schon ein bisschen früher entstanden, als ich Ted Ligety und Marcel Hirscher im Fernsehen gesehen habe.

LAOLA1: Du bist erst 24, gehörst aber schon zum A-Kader. Wie schwierig ist es, in einer Mannschaft mit etablierten Namen den eigenen Platz zu finden und was nimmst du von Teamkollegen wie Vincent Kriechmayr und Co. mit?

Feurstein: Schwierig einen Platz zu finden war es eigentlich überhaupt nicht, sie machen es einem relativ einfach. Man wird gut aufgenommen und lernt sehr vieles. Speziell Vincent Kriechmayr, der hat einfach schon so viel gewonnen, da kann man eigentlich nur lernen. Aber auch von den anderen Athleten hat jeder irgendwo etwas, das er sehr gut macht. Das versuche ich alles aufzusaugen und mitzunehmen. Aber ich gehe dann doch auch meinen Weg und muss das Richtige für mich finden. Ich glaube, das habe ich in den letzten Jahren sehr gut gelernt und ich versuche das natürlich in Zukunft noch besser umzusetzen.

LAOLA1: Du hast die ÖSV-Männer im vergangenen Winter vor einer sieglosen Saison bewahrt. Haben sich deine Teamkollegen gebührend dafür bedankt?

Feurstein: Da musste sich niemand bei mir bedanken. Das war eine coole Nebensache, aber für mich persönlich war das kein großes Thema. Unser Team ist gut und ich hoffe, wir haben in dieser Saison wieder mehr Grund zum Jubeln.

Eigentlich ist es schön, wenn die Leute denken, dass du performen kannst. Es ist kein Druck, sondern ein Ansporn, immer besser zu werden.

Lukas Feurstein über Druck

LAOLA1: Olympia steht vor der Tür. Hat das deine Herangehensweise an die Saison verändert oder versuchst du, diesen Druck gar nicht erst an dich ranzulassen?

Feurstein: Das muss ich nicht versuchen, das passiert einfach so bei mir. Ich weiß zwar, dass im Februar Olympia ist, aber das ist noch überhaupt kein Thema. Für mich ist jedes Weltcup-Rennen davor wichtig. Ich bin ja kein Athlet, der 15 Weltcup-Siege hat, ich muss jedes Rennen Vollgas geben. Wenn ich dann bei Olympia dabei sein darf, ist das on top. Ich muss mich erst einmal qualifizieren.

LAOLA1: In deinem Alter sprechen viele von Potenzial – wann wird aus Potenzial endlich Leistung und wie sehr nervt dich das Wort?

Feurstein: Eigentlich ist es schön, wenn die Leute denken, dass du performen kannst. Es ist kein Druck, sondern ein Ansporn, immer besser zu werden und das auf die Piste zu bringen. Das werde ich versuchen. Dass mir nicht alles gelingt, weiß ich jetzt schon.

LAOLA1: Wenn du auf die letzte Saison schaust: Was würdest du ausradieren – und was würdest du doppelt so groß aufmalen?

Feurstein: Ausradieren würde ich den letzten Trainingslauf in Saalbach, wo ich mir die Hand gebrochen habe. Hervorheben würde ich natürlich meinen ersten Weltcupsieg, wobei der erste Podestplatz auch ganz lässig war.

LAOLA1: Hat sich durch den ersten Weltcupsieg bei dir oder in deinem Umfeld etwas verändert?

Feurstein: Nein, nicht wirklich zum Glück. Natürlich wird man öfter erkannt und macht das ein oder andere Foto mehr. Aber für die Leute daheim war ich immer der Lukas. Wenn ich jetzt noch mehr Rennen gewinne, ist das denen meistens auch egal.

LAOLA1: Trainer-Legende Sepp Brunner, aber auch Beat Feuz haben nach deinem Sieg in Sun Valley, wo übrigens Beat Feuz erfolgreich auf dich getippt und 325 Franken gewonnen hat, gesagt: Sofern die Gesundheit mitspielt, wird Lukas die Schweizer in Zukunft noch öfter ärgern. Wie gehst du damit um?

Feurstein: Das habe ich erst im Nachhinein über die Medien mitbekommen, aber es ist natürlich cool, wenn Beat Feuz auf mich wettet – er ist ja auch ehemaliger HEAD-Athlet. Sowas nehme ich gerne mit. Natürlich ist mein Ziel, der Schnellste zu sein. Aktuell sind das Schweizer, die will man schon ärgern. (grinst)

LAOLA1: Du fährst sowohl Riesentorlauf als auch Super-G. Geht die Reise hier weiter oder denkst du auch daran, auf die Abfahrt zu gehen?

Feurstein: Mein großes Ziel ist es, im Riesentorlauf den Sprung an die Weltspitze zu schaffen. Aber ich fühle mich aktuell auch auf den Speed-Skiern sehr gut. Ich könnte mir schon vorstellen, dass es mal in Richtung Abfahrt geht. Aber die Abwechslung macht es aus.

Es gibt so viele Athleten, die viel schlimmere Verletzungen hatten als ich. Wenn die ans Aufhören denken, ist das nachvollziehbar. Aber bei mir war der Gedanke nie groß da.

Lukas Feurstein über seine Verletzungen

LAOLA1: Du hast dich schon mehrmals nach Verletzungen zurückgekämpft. Was hat dich dabei am meisten überrascht: dein Körper oder dein Kopf?

Feurstein: Sowohl der Körper als auch der Kopf. Die negativen Erinnerungen der letzten Jahre sind bei mir zum Glück überhaupt nicht präsent. Ich habe eigentlich nur viele positive und coole Sachen im Kopf. Die negativen Sachen sind zwar da, aber die habe ich schon wieder vergessen oder verdrängt. Von daher war der Kopf wohl das Beeindruckendste in der schwierigen Zeit.

LAOLA1: Gab es auch schon Momente, in denen du dir gedacht hast: Ich schmeiße hin. Wenn ja, wann war das und was war der Grund?

Feurstein: Nein, nicht wirklich. Kurz war ein Gedanke vielleicht da, nach den ganzen Rückenproblemen und der Knieverletzung, aber richtig Thema war es eigentlich nicht. Es gibt so viele Athleten, die viel schlimmere Verletzungen hatten als ich. Wenn die ans Aufhören denken, ist das nachvollziehbar. Aber bei mir war der Gedanke nie groß da.

© GETTY

LAOLA1: Du fährst schon dein Leben lang auf HEAD-Skiern, richtig?

Feurstein: Ja, mit ungefähr drei Jahren bin ich das erste Mal auf Skiern gestanden. Von da an hat sich eine Beziehung zu HEAD aufgebaut, sie waren seit Tag eins dabei und sind immer noch der beste Partner, den man sich vorstellen kann. Dass man über eine ganze Karriere zusammenarbeitet, gibt es heutzutage nicht mehr so oft. Darum hat die Zusammenarbeit für mich eine sehr große Bedeutung.

LAOLA1: Warum fühlst du dich in der HEAD-Familie so wohl?

Feurstein: Es ist wirklich wie eine Familie. In der Firma kenne ich fast jeden persönlich, viele kommen aus meiner Gegend im Bregenzer Wald. Es sind alles sehr, sehr nette Leute, mit denen man auch mal ein Bier trinken gehen kann. Es passt einfach alles und fühlt sich gut an.

LAOLA1: Wie viel tüftelst du mit deinem Servicemann am Set-Up und wie ist für dich ein perfekter Ski vorbereitet?

Feurstein: Perfekt hat es bis jetzt noch nicht wirklich gegeben. (lacht) Aber ich bin jetzt nicht der Über-Drüber-Tüftler und habe jeden Tag sechs verschiedene Paar Skier mit am Berg. Ich habe da volles Vertrauen in meinen Servicemann. Ich probiere dann gewisse Sachen aus und sage: Das ist gut und das ist weniger gut.

LAOLA1: Wenn du in fünf Jahren auf deine Karriere schaust – was würdest du gerne sagen können, das heute noch nicht stimmt?

Feurstein: In fünf Jahren bin ich schon bald 30, da werde ich dann hoffentlich irgendwann mal ans Aufhören denken. (grinst) Aber ich würde dann gerne sagen, dass ich erfolgreich war, dass ich das geschafft habe, was ich mir vorgenommen habe. Das sind Weltcup-Siege, WM-Medaillen und vielleicht auch Olympia-Medaillen. Wenn ich in fünf Jahren ein bisschen was davon erreicht habe, wäre ich schon sehr froh.

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