"Man muss ganz klar sagen, da sind in der Vergangenheit falsche Entscheidungen getroffen worden."
Laut Überall, der im ÖSV Christian Scherer nachgefolgt ist, habe der ÖSV die FIS unter Präsident Eliasch seit 2024 "vehement schriftlich darauf hingewiesen, dass sich diese Rechnung nicht ausgehen kann". Jedoch ohne Gehör zu finden.
"Jetzt ist es wirklich schwarz auf weiß präsentiert worden", sagt Überall. "Die Ausgaben passten mit den Einnahmen nicht zusammen. Wenn man das so fortführen würde, wäre es nur eine Frage der Zeit, bis kein Geld mehr da ist."
Wie konnte es so weit kommen?
"Man muss ganz klar sagen, da sind in der Vergangenheit falsche Entscheidungen getroffen worden", erklärt Überall.
Die vergangene FIS-Führung unter Eliasch habe gewisse Entscheidungen unterschätzt. Außerdem seien "Versprechen für die Unterschriften getätigt worden, die jetzt sehr schwer zu halten sind."
"Jetzt hat man eine Struktur, die bezahlt werden muss. Das hat zu dieser Finanzlage geführt, wie sie jetzt ist."
Unter anderem ist das Leuchtturm-Projekt des ehemaligen Präsidenten, die Zentralvermarktung, nicht wie gewünscht angelaufen. Für die meisten Nationen gilt diese ab der kommenden Saison, für den ÖSV ab dem Winter 2027/28.
Eliasch war überzeugt, dass durch die Zentralisierung der Rechte jeder doppelt Geld bekommen werde.
"Das ist nicht der Fall", sagt Überall. "Es wirft weniger ab als gewünscht. Natürlich wird es eine kleine Steigerung bedeuten. Aber es sind auch andere Themen zu berücksichtigen. Die FIS hat auch gewisse Verpflichtungen auf sich genommen, zum Beispiel Produktionsverpflichtungen in gewissen Ländern, die wieder sehr viel Geld kosten. Es ist ein sehr heikles und schwieriges Thema."
Welche Auswirkungen hat die Situation auf den ÖSV?
Der ÖSV hat bei der Zentralvermarktung erst nach langem Zaudern und harten Verhandlungen mit der FIS eingelenkt und sich dabei gewisse Rechte vertraglich gesichert sowie eine bestimmte Anzahl an Rennen garantiert bekommen.
Dennoch schaut für den heimischen Ski-Verband laut Überall finanziell nur eine "kleine Steigerung" heraus. Und das freilich nur, "wenn die FIS nicht bankrott geht, was ich hoffe und wovon ich ausgehe, weil sonst haben wir alle ein Riesenproblem".
Wie geht es weiter?
Vom "Worst Case" will Überall aber nicht ausgehen. Vor allem, weil es mit der neuen FIS-Führung unter Alexander Ospelt eine gute Gesprächsbasis gebe.
"Sie nehmen das Thema sehr ernst, agieren transparent und versuchen den Turnaround zu schaffen. Da müssen wir alle mitarbeiten. Ich habe ein gutes Gefühl, dass wir das gemeinsam schaffen", sagt der ÖSV-Generalsekretär.
Wie künftig Geld in die FIS-Kassen gespült werden soll, ist noch nicht ganz klar. Eine Idee war die Einführung einer jährlichen Weltmeisterschaft, diese wurde aber zumindest bis 2032 aufgeschoben.
"Es wurden jetzt Visionen vorgestellt", sagt Überall. "Konkret greifbar ist noch nichts."