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ÖSV-Duo muss vor Innsbruck auf Tournee-Wunder hoffen

Der slowenische Überflieger Domen Prevc hat nach zwei Stationen bereits 35 Punkte Vorsprung auf den zweitplatzierten Österreicher.

ÖSV-Duo muss vor Innsbruck auf Tournee-Wunder hoffen Foto: © GEPA

Während Domen Prevc seine Konkurrenz auch beim Neujahrsspringen um Skisprung-Welten distanzierte, avancierten zwei ÖSV-Adler zu den schärfsten Verfolgern des Slowenen.

Jan Hörl und Stephan Embacher landeten in Garmisch-Partenkirchen auf den Plätzen zwei und drei, im Kampf um den Triumph bei der 74. Vierschanzentournee muss das rot-weiß-rote Duo zur Halbzeit aber schon auf ein Wunder hoffen. Denn Prevc führt vor dem Springen am Innsbrucker Bergisel bereits 35 Punkte vor Hörl. Tournee-Gesamtwertung nach zwei von vier Springen >>>

Das sind umgerechnet fast 20 Meter, die Hörl bei den Heim-Bewerben in Innsbruck am Sonntag (ab 13.30 Uhr im LIVE-Ticker) und in Bischofshofen am Dienstag (16.30 Uhr im LIVE-Ticker) aufholen müsste, um doch noch den goldenen Adler in die Höhe strecken zu dürfen.

Die Hoffnung vor heimischer Kulisse lebt

"Hoch werma's nimma g'winnen", meinte Hörl in Anspielung an Toni Pfeffers legendären Pausensager beim 0:9 des ÖFB-Teams 1999 gegen Spanien.

Ein Fünkchen Hoffnung hat der Salzburger vor heimischer Kulisse aber trotzdem. "Wir werden immer in Lauerstellung sein, angreifen und gut springen. Abgerechnet wird erst in Bischofshofen. Es sind noch zwei Stationen, es kann viel passieren."

Am Neujahrstag fehlten Hörl im ersten Durchgang nur 3,2 Punkte auf Prevc. Da sei es schon sehr knapp gewesen, betonte der Tournee-Gesamtzweite vom Vorjahr. Im Finale verkürzte die Jury unmittelbar vor Hörl den Anlauf, was den 27-jährigen Pongauer störte. "Das war vielleicht nicht die beste Entscheidung. Aber es ist so, ganz in Ordnung finde ich es nicht."

Embacher kletterte nach oben

Embacher bestätigte unterdessen seine Topform, der 19-jährige Shootingstar sprang zum zweiten Mal in seiner Karriere nach seinem zweiten Platz im November in Falun auf ein Weltcup-Podest. "Voll mega. Ich habe zwei richtig coole Sprünge gezeigt", sagte der Tiroler, der in der Qualifikation am Vortag zudem den Schanzenrekord aufgestellt hatte.

In der Gesamtwertung kletterte Embacher um vier Positionen nach oben und liegt als Dritter nun 41,5 Zähler hinter Prevc.

Es sei "schon sehr" emotional gewesen, gemeinsam mit Hörl am Podium zu stehen, sagte Embacher, der am Neujahrstag von seinen Eltern und seiner Freundin unterstützt worden war.

Sein Fokus liege weiterhin darauf, so viele coole Sprünge wie möglich zu zeigen, betonte der Teenager, der seit mehreren Jahren von Weltcup-Rekordsieger Gregor Schlierenzauer gefördert wird.

Prevc reist mit größtem Halbzeitpolster seit 21 Jahren an

Coole Sprünge zeigt Prevc seit Wochen fast ausnahmslos, weshalb ein Grand Slam mit vier Tagessiegen derzeit wahrscheinlicher erscheint als ein Blackout.

Der Sieg beim Neujahrsspringen sei schon seit seiner Kindheit auf der "bucket list" gestanden, sagte der 26-Jährige nach seinem siebenten Weltcup-Sieg in den jüngsten acht Bewerben. "Jetzt kann ich noch entspannter sein. Das Geheimnis ist, im Sommer jeden Tag konsequent dranzubleiben."

Am Bergisel hatte Prevc, der mit dem größten Halbzeitpolster seit Janne Ahonen vor 21 Jahren anreist, im Vorjahr im achten Antreten mit einem neunten Platz sein bisher bestes Resultat erzielt.

Mario Stecher sah in seiner Halbzeitanalyse noch Potenzial bei den ÖSV-Adlern. "Wir springen auf einem sehr guten Level, schöpfen aber noch nicht alles aus. Das unterscheidet uns von Prevc", sagte der ÖSV-Sportdirektor, der den Slowenen freilich als "haushohen Favoriten" bezeichnete. "Wir würden auch keinem wünschen, dass er das noch verliert. Aber wir werden versuchen, über Tagessiege zu kämpfen. Wenn Hörl und Embacher ihre besten Sprünge auspacken, können wir ihn kitzeln."

Tschofenig und Kraft niedergeschlagen

Nicht mehr in der Konversation um den Tourneesieg befinden sich hingegen Titelverteidiger Daniel Tschofenig und Stefan Kraft nach einem verpatzten Bewerb.

Tschofenig hat nach einem neunten Rang bereits 63,2 Punkte Rückstand, Kraft begrub seinen Tournee-Traum wie schon öfter in Garmisch-Partenkirchen mit einem 26. Platz. "Es ist ein Auf und Ab", sagte Tschofenig, der sich seine Formschwankungen nicht erklären konnte.

Kraft haderte mit seiner Anlaufgeschwindigkeit. "Ich war im ersten Durchgang einen km/h hinterher. Und das auf einer Schanze, wo nicht alles von selbst geht und kein Selbstvertrauen da ist. Es hat nicht viel zusammengepasst", ärgerte sich der Salzburger.

Auf die ausverkaufte Kulisse in Innsbruck freut sich der Tourneesieger 2014/15 aber schon. "Wenn ich mir eine Schanze aussuchen kann zum Trainieren, wenn ich nicht so in Form bin, dann ist es der Bergisel. Das hat immer sehr gut geholfen."

Tournee: Ist die Halbzeit-Führung wirklich was wert?

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