Ärzte entsetzt von Vonn-Start: "Eine neue Eskalationsstufe"
Medizinische Fachleute finden für Vonns Antritt bei Olympia trotz ihres Kreuzbandrisses klare Worte.
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Unter Medizinern herrscht fassungsloses Kopfschütteln über das Vorhaben von Lindsey Vonn und dem US-Skiteam.
Die vierfache Gesamtweltcupsiegerin will trotz eines Kreuzbandrisses im linken Knie und einem Implantat im rechten Knie bei den Olympischen Winterspielen in Mailand/Cortina an den Start gehen.
Vonn hatte sich den Riss des vorderen Kreuzbandes im linken Knie bei der letzten Abfahrt vor dem olympischen Großereignis zugezogen. Dennoch hält die 41-Jährige eisern an ihrem Olympia-Traum fest.
"Ich weiß, meine Chancen sind nicht mehr so groß wie vorher. Aber solange es eine Chance gibt, werde ich es versuchen", erklärte die US-Amerikanerin.
Bleibende Schäden und Verantwortungslosigkeit
Fachärzte schlagen jedoch Alarm. Das Antreten mit einem vollständig gerissenen Kreuzband sei "medizinisch eine neue Eskalationsstufe", warnt Dr. med. Kourosh Modaressi, orthopädischer Chirurg an der Uniklinik Zürich, im Gespräch mit dem Schweizer Nachrichtenportal "20 Minuten".
"Im schlimmsten Fall riskiert sie bleibende Schäden: schwere Meniskusrisse, zusätzliche Knorpeldefekte, eine beschleunigte Arthrose - und damit Schmerzen und Einschränkungen weit über den Spitzensport hinaus", so Modaressi.
Besonders kritisch sei, dass der gesamte Bewegungsapparat aus dem Gleichgewicht gerate, wenn ein Knie instabil sei und das andere durch ein Implantat biomechanisch verändert wurde.
Artur Trost, Facharzt für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie, hatte jahrelang Hermann Maier betreut und sieht Vonns Vorhaben ebenfalls kritisch.
"Kein vernünftiger Arzt wird Vonn das jemals empfehlen." Eine gesunde Muskulatur könne ein gerissenes Kreuzband kurzfristig kompensieren. "Aber ratsam ist ein Start aus medizinischer Sicht keinesfalls, denn das kann dramatisch enden."