Olympiasiegerin kritisiert FIS: Bevorzugung für Hirscher?
Änderungen beim Skimaterial sorgen für Kritik an der FIS. Auch Marcel Hirscher gerät dabei in den Fokus.
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Weltmeisterin und Olympiasiegerin Breezy Johnson übt heftige Kritik an der neuen Materialregel der FIS.
Konkret geht es dabei um das Maximalgewicht für Ski. Bei den Männern dürfen Abfahrt-Ski gesamt maximal 10,6 Kilogramm wiegen, 10,4 Kilogramm bei den Frauen. Die FIS erhofft sich dadurch mehr Sicherheit.
Die US-Amerikanerin zweifelt im Interview mit "welovesnow.ch" an der Wirksamkeit der Maßnahmen und wirft dem Weltverband vor, andere Sicherheitsaspekte zu vernachlässigen.
"Wenn die FIS Beweise dafür hätte, dass leichtere Ski sicherer sind, wäre ich die Erste, die sagt: Selbst wenn das Material dadurch langsamer wird, wenn es sicherer ist, sollten wir es benutzen. Aber ich glaube nicht, dass dazu irgendwelche Studien durchgeführt wurden. Die Untersuchungen, über die sie auf Europacup-Niveau sprechen, werden nicht ausreichen, um wirklich belastbare Antworten zu liefern."
"FIS sollte daraus lernen."
Vor allem die aus ihrer Sicht mangelnde wissenschaftliche Grundlage der Regeländerung stößt Johnson sauer auf.
"Sie haben keine Ingenieure engagiert und keine Computersimulationen durchgeführt. Auch die Geschichte der FIS seit 2013 ist in dieser Hinsicht nicht unbedingt besonders überzeugend. 2013 wurde vor der Einführung neuer Regeln sogar mehr geforscht als bei dieser Regel.
Soweit ich es verstehe, haben jene Änderungen aber weder Knie- noch Beinverletzungen reduziert. Stattdessen nahmen Rückenverletzungen zu und der Sport wurde dadurch sogar unsicherer. Die FIS sollte daraus lernen."
"Niemand fragt, wie..."
"Stattdessen versucht die FIS, die Verantwortung dafür, den Skirennsport sicherer zu machen, auf die Skihersteller abzuwälzen", kritisiert Johnson, "obwohl diese bei der FIS nicht einmal stimmberechtigt sind."
Anstatt sich auf das Material zu konzentrieren, sollte die FIS laut Johnson auch andere Maßnahmen ins Auge fassen. "Aber niemand fragt, wie man sicherere Kurse setzen könnte oder wie man bessere Reisepläne erstellt."
Auch Marcel Hirscher gerät in den Fokus
Dabei zieht Johnson auch einen Vergleich mit Marcel Hirscher und wirft der FIS dabei unterschiedliche Maßstäbe vor.
"Gleichzeitig verbiegt sich die FIS förmlich, damit Marcel Hirscher in den Sport zurückkehren kann. Einige seiner Material-Setups bewegen sich dabei aus meiner Sicht an der Grenze dessen, was sicher ist. Die FIS würde aber niemals darüber nachdenken, gegen sein Material vorzugehen, während sie offenbar überhaupt kein Problem damit hat, meines ins Visier zu nehmen."
Auch innerhalb ihres Teams sorgt die neue Regel offenbar für großen Unmut: "Mein Skitechniker war sogar noch wütender als ich. Er fühlt sich persönlich angegriffen und ist deshalb unglaublich motiviert, es ihnen zu zeigen."
Johnson erinnert in diesem Zusammenhang an ihren Landsmann Ted Ligety, der sich einst ebenfalls gegen Materialänderungen wehrte.
"Ted Ligety hat damals mit den neuen Ski trotzdem gewonnen und gleichzeitig weiter gegen die Regeln gekämpft."