Feller vor Kitz-Slalom: "Zähle nicht zum engsten Favoritenkreis"
Österreichs Slalom-Artisten sind am Ganslernhang nur Außenseiter. Gstrein, Raschner und Strolz wollen noch auf den Olympia-Zug aufspringen.
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Wie im Vorwinter sind Österreichs Slalomfahrer vor dem Klassiker am Kitzbüheler Ganslernhang noch ohne Podestplatz.
Ungeachtet dessen wollen Manuel Feller und Kollegen als gefährliche Außenseiter für einen runden Abschluss der 86. Hahnenkammrennen am Sonntag (10.30 und 13.30 Uhr im LIVE-Ticker) sorgen.
Gleichzeitig fällt die Entscheidung, wer es neben den logischen Startern Feller und Marco Schwarz ins rot-weiß-rote Olympia-Quartett schafft.
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Feller hat genug Baustellen
Auch Feller weiß, dass der Gewinn der von ihm langersehnten Goldenen Gams in diesem Jahr überraschen würde.
"Die Erwartungshaltung der Leute ist niedriger. Ich erwarte aber schon einiges von mir, vor allem, dass ich gutes Skifahren zeige. Aber natürlich zähle ich mich nicht zum engsten Favoritenkreis wie in den letzten Jahren", sagte der Tiroler. Vor seinem elften Kitzbühel-Antreten steht Platz vier als bestes Ergebnis zu Buche.
Er habe aktuell genug Baustellen, sagte Feller und deutete an, dass diese Problemfelder nicht nur auf der Piste liegen oder lagen. "Seit Adelboden (5.) und Wengen (11.) bin ich in einem Bereich, wo ich zu 100 Prozent bereit bin. Das hat sich, glaube ich, auch auf der Piste wieder gespiegelt. Das geht aber definitiv noch besser."
Deja-vu zum letzten Slalom-Jahr
Seine Teamkollegen konnten die Schwächephase nicht kaschieren. Auch in der Vorsaison blieb das früher so schlagkräftige Slalomteam bis Fellers Platz zwei in Schladming ohne Podestplatz.
"Ich sehe ein Deja-vu zum letzten Jahr", sagte Marko Pfeifer, der Männer-Cheftrainer im ÖSV. Er meinte zweckoptimistisch: "Ich glaube, die Formkurve unserer Leistungsträger auf Kitzbühel, Schladming und Olympia passt."
Die Krux mit der Nummer - Matt: "Brutal beschissen"
Der ÖSV stellt eine Handvoll Slalom-Artisten mit vereinzelten einstelligen Ergebnissen.
Michael Matt gehört dazu, er bekundet nach Platz sieben in Wengen Lust nach mehr. "Es hat bis jetzt in Kitzbühel nicht aufs Podest gereicht, das will ich unbedingt schaffen. Heuer bin ich im zweiten Durchgang oft gleich schnell gewesen wie die Besten."
Sein Problem: Mit seiner Startnummer um 20 reicht es im ersten Lauf zu einem guten Mittelfeld-Platz. "Zweimal in der Mitte rausstarten, ist brutal beschissen. Aber das ist part of the game."
Am Ganslern fährt Erfahrung mit. Matt sind die Schwierigkeiten - "Schrägfahrten, ein links weghängender Steilhang und die vielen Übergänge" - bestens bekannt.
Schwarz sucht nach Antworten
Schwarz möchte auf einem seiner Lieblingshänge Antworten erhalten.
"Vor einigen Jahren war es umgekehrt: Da bin ich im Riesentorlauf am Start gestanden und wusste nicht genau, was ich tun soll. So geht es mir zurzeit im Slalom", sagte Schwarz, der zwar auch nur einen achten Rang zu seinen Gunsten stehen hat, aufgrund seiner Allrounder-Qualitäten aber einen Olympia-Startplatz wohl auch im Slalom besetzen wird.
Gstrein will sich keine "Job-Verfehlung" nachsagen lassen
Dominik Raschner schaffte es nur zweimal in die Punkteränge, in Gurgl allerdings als Sechster - ein Argument, das Fabio Gstrein im Quali-Rennen um Olympia nicht vorbringen kann.
Gstrein stürzte just nach seiner besten Saison in die Formkrise. Besser als Zehnter (Levi) war er in dieser Saison noch nicht. Er will sich mittlerweile "erfangen" haben, ließ zuletzt aber den Mut zur frechen Linie vermissen.
"Wenn du 30 Meter mehr fährst als die anderen, verlierst du die Zeit." Die "Job-Verfehlung", Olympia nicht im Visier zu haben, will sich Gstrein nicht nachsagen lassen. "Aber natürlich versucht man das so gut wie möglich auszublenden."
Strolz will "all in" gehen
Nach Kitzbühel wird das ÖSV-Aufgebot bekanntgegeben. Auch Johannes Strolz weiß um seine letzte Chance, dem Doppel-Olympiasieger von 2022 droht erneut bei einem Großereignis die Zuschauerrolle.
"Man muss natürlich 'all in' gehen. Aber leichter macht es die Ausgangslage nicht, weil man im Slalom sowieso keinen Spielraum mehr zum Taktieren hat", sagte Strolz. Er musste bereits bei der Heim-WM in Saalbach zuschauen.
2020 letzter ÖSV-Podestplatz
Im vom Norweger Atle Lie McGrath angeführten Slalom-Weltcup liegen die ersten fünf Fahrer nach sieben von elf Saisonrennen nur durch 42 Punkte getrennt. Bester Österreicher ist (abgeschlagen) Matt als Elfter. Der Kitzbühel-Sieger von 2025 kommt mit Clement Noel aus Frankreich.
Schwarz ist der letzte Österreicher, der es 2020 (2.) im Kitzbühel-Slalom aufs Podest geschafft hat. Den letzten Sieg hat Marcel Hirscher 2017 besorgt.