LAOLA1: Ski-Cheftrainer in Österreich ist nicht der einfachste Job. Was reizt Sie an dieser Aufgabe?
Johannes Zöchling: Richtig, es ist sicherlich nicht der einfachste Job. Aber als der Anruf kam, war das schon eine gute Geschichte. Ich habe keinen Karriereplan, aber ich habe immer versucht, meine Aufgaben gut zu erledigen. Das will ich auch jetzt machen. Ich will versuchen, etwas zu bewegen – gemeinsam mit den Athletinnen. Ich möchte sie so unterstützen, dass sie ihre Leistungen bringen können. Das reizt mich.
LAOLA1: Sie waren zuletzt in Norwegen tätig. Was haben Sie von dort zum ÖSV mitgenommen?
Zöchling: Es kochen alle nur mit Wasser. Es geht in Norwegen genau wie in Österreich um Grundlegendes: Trainingsumfang, -qualität und -intensität. Ohne Fleiß kein Preis – das ist überall so. Für Siege oder Podestplätze muss man dann als Trainerteam an den feinen Reglern drehen, damit die Frauen im Rennen bestmöglich performen können. Das ist die große Herausforderung.
LAOLA1: An welchen Reglern müssen Sie bei den ÖSV-Frauen drehen?
Zöchling: Wir haben eine gute Mannschaft. In der letzten Saison ist aus jeder Trainings-Gruppe jemand aufs Podest gefahren. Der Anspruch in Österreich ist, dass es möglichst jedes Wochenende Siege oder Podestplätze gibt – das wissen die Athletinnen, das wissen die Betreuer. Es geht darum, die Regler so zu verschieben, dass die Sportlerinnen bereit sind zu leisten. Der große Unterschied zwischen gutem Skifahren und richtig schnellem Skifahren ist die letzte Konsequenz, damit man Druck auf den Ski bringt und somit etwas rausholen kann. Das hat auch etwas mit Vertrauen und Entschlossenheit zu tun. Wenn die Frauen bereit sind zu leisten, dann bin ich überzeugt, dass sie richtig schnelle Schwünge fahren können.
Leistungssport ist nicht immer lustig. Das wissen wir alle. Es muss eben etwas geleistet werden. Das ist mir schon wichtig. Es soll kein Wunschkonzert sein.
LAOLA1: Sie haben es schon angesprochen: Der Anspruch in Österreich sind Siege und Podien. In der vergangenen Saison ist das nur Julia Scheib konstant gelungen. Hat Österreich genug potenzielle Podest- und Siegfahrerinnen?
Zöchling: Das stimmt, in der vergangenen Saison haben nur Julia und mit Abstrichen Kathi Truppe konstant performt. Aber ich sehe in der Mannschaft definitiv Potenzial. Es geht jetzt darum, Konstanz reinzubringen. Die Athletinnen sollen Rennen für Rennen ihre Leistungen abrufen können – unabhängig von der Hangbeschaffenheit oder Kurssetzung. Sie sollen alles bewältigen können, was auf sie zukommt. Das muss man sich im Training erarbeiten. Es will ja niemand Fehler machen oder schlecht performen, aber seine Leistung Schwung für Schwung, Rennen für Rennen zu reproduzieren, ist ganz schwierig. Daran werden wir arbeiten.
LAOLA1: Sie haben bei Ihrem Amtsantritt gesagt, dass "die Eigenverantwortung der Athletinnen" gestärkt werden muss. Was genau meinen Sie damit?
Zöchling: Wir haben Athletinnen, die sind schon 100 oder mehr Weltcup-Rennen gefahren. Die haben Erfahrung. Es gibt eine gewisse Verantwortung, die die Damen selbst übernehmen müssen, damit wir in der Zusammenarbeit weiterkommen können. Man erkennt als Trainer gewisse Sachen von außen, die Läuferinnen müssen dann aber auch die Verantwortung übernehmen und sich auf diese Sachen einlassen. Sie müssen wirklich die Punkte erkennen, die für sie wichtig sind und auch bestmöglich daran arbeiten, statt sich nur zurückzulehnen. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied.
LAOLA1: Conny Hütter hat nach der vergangenen Saison gesagt, es wäre wichtig, wenn eine gewisse Ruhe im Team wäre. Ist die da? Wie ist die Stimmung im Team generell?
Zöchling: Grundsätzlich habe ich ein gutes Gefühl, was das anbelangt. Richtig interessant wird es erst im Herbst, wenn es zu den Rennen geht, da kommen dann meistens ein paar Sachen in Gruppen raus. Ich habe mit den meisten Athletinnen schon Gespräche geführt, die waren sehr offen. Da wurden auch gewisse Punkte angesprochen, die für mich interessant waren. Wir Trainer können nicht versprechen, dass wir immer alle Probleme lösen können, aber wir können es zumindest versuchen, wenn es realistisch ist. Hier wären wir wieder beim Punkt Verantwortung: Es ist wichtig, dass die Damen zu uns Trainern kommen und die Thematiken ansprechen. Mir ist es wichtig, dass wir Trainer gemeinsam mit den Athletinnen am gleichen Ziel arbeiten.
LAOLA1: Worauf legen Sie als Trainer sonst noch Wert, außer auf gute Zusammenarbeit?
Zöchling: Leistungssport ist nicht immer lustig. Das wissen wir alle. Es muss eben etwas geleistet werden. Das ist mir schon wichtig. Es soll kein Wunschkonzert sein. Ich will den Athletinnen aber auch Ruhe und Vertrauen vermitteln, damit sie sich auf die Dinge konzentrieren können, die beim Skifahren wichtig sind. Wenn man da gut zusammenarbeitet, kann etwas Gutes dabei rauskommen.
LAOLA1: Mirjam Puchner hat ihre Karriere beendet, für Conny Hütter wird es die letzte Saison. Muss man sich um das Speed-Team Sorgen machen?
Zöchling: Aktuell sind wir im Speed-Bereich nicht allzu dick aufgestellt, das stimmt. Auch im Europacup ist nicht die Masse an Speed-Fahrerinnen vorhanden. Aber man hat in der Vergangenheit schon gesehen, dass sich Athletinnen von einem Jahr aufs nächste schnell entwickeln können. Wir werden in Zukunft vielleicht nicht die Dichte im Speed-Bereich haben, die wir vor 15 Jahren hatten, aber wir haben Läuferinnen mit guter Qualität. Wir müssen in Ruhe weiterarbeiten und versuchen, das Bestmögliche rauszuholen.
LAOLA1: Die Saison fängt zwar erst im Oktober an, aber womit wären Sie am Ende Ihrer ersten Saison als ÖSV-Cheftrainer zufrieden? Es gibt unter anderem eine Kristallkugel zu verteidigen und es werden WM-Medaillen vergeben.
Zöchling: Ich wäre zufrieden, wenn wir die Akzente und Handlungen so gesetzt haben, dass die Athletinnen ihr bestes Skifahren zeigen können. Natürlich wünscht man sich Medaillen, Siege und Podien. Aber für mich ist wichtig, dass sie aktiv und dynamisch Skifahren, dass sie eine gute Körpersprache haben und dass man das Herzblut sieht. Dann kommen die Ergebnisse von selbst.