NEWS

Lieber schnell als schön: ÖSV legt die Skilehrer-Mentalität ab

Mehr Selbstvertrauen, weniger Understatement und ein klarer Fokus auf Leistung statt Ergebnisdruck: Der Wandel im ÖSV schreitet voran.

Lieber schnell als schön: ÖSV legt die Skilehrer-Mentalität ab Foto: © GEPA

Pünktlich zum Saison-Start hat Frau Holle die Gipfel rund um Sölden angezuckert.

Die Piste am Rettenbachferner ist schon seit Tagen "rennfertig". Nun kann eigentlich nur mehr das – vor allem für Sonntag als schlecht vorhergesagte – Wetter zum Spielverderber werden.

Noch sind im Ötztal aber alle positiv gestimmt, vor allem beim ÖSV. Österreichs Ski-Team startet mit großen Ambitionen in die neue Saison.

"Es sind immer wieder Verbesserungspotenziale da, aber wir haben schon einige Leute, die da richtig vorne mitfahren können", sagt ÖSV-Alpin-Chef Christian Mitter.

"Der Großteil hat keine Chance auf den Sieg"

Ergebnis-Ziele für den Winter auszugeben, vermeidet der gebürtige Steirer. Das Wichtigste sei, dass die Athlet:innen im Rennen ihren besten Schwung zeigen können.

"Und dann schauen wir, wo wir stehen", so Mitter. "Ganz ehrlich: Der Großteil der Leute, die mitfahren, haben einfach keine realistische Chance auf den Sieg. Aber wenn man Zwölfter wird, dann hat man den zwölftbesten Riesentorlauf-Schwung des Tages und dann kann man schauen, warum bin ich Zwölfter und nicht Dritter oder Erster. Das müssen wir einfach ganz klar herausanalysieren."

Mitters Erwartung: Prozessorientiert und nicht ergebnisorientiert zu arbeiten.

Wandel in Ski-Österreich

Mitter geht in seine zweite Saison als ÖSV-Alpin-Chef. Gemeinsam mit Sportdirektor Mario Stecher hat er einen Wandel in Ski-Österreich eingeleitet.

"Es geht darum, so schnell wie möglich von A nach B zu kommen und nicht so schön und sicher wie möglich wie ein Skilehrer", erklärt Mitter.

Sportdirektor Mario Stecher ortet bereits erste Veränderungen: "Dieses Verständnis hat sich im ÖSV entwickelt, dass man den Ski einfach auch freigeben muss."

Das gelte für den Weltcup genauso wie für den Nachwuchs.

© GEPA
Sprechen die gleiche Sprache: Christian Mitter und Mario Stecher

Die gleiche Sprache

Mitter, für den es die 17. Weltcup-Saison in diversen Funktionen ist, hat über die Jahre eine Philosophie entwickelt und diese auch wissenschaftlich belegt.

In vielen Einzelgesprächen hat er sie Schwerpunktschulen, Landesskiverbänden, Vereinen und Eltern nähergebracht.

"Es ist eine andere Ansicht, was im Rennfahren, an der Spitze die Knotenpunkte sind. Der Effekt ist, dass man ein bisschen mit ein paar Mythen und Sagen ausmistet, die da so kursieren im alpinen Skigewerbe. Und nicht nur in Österreich", sagt Mitter.

Im besten Falle sollen in Ski-Österreich dann alle "die gleiche Sprache sprechen" – und eben möglichst schnell vom Start ins Ziel kommen.

"Den Audi habe ich in der Tasche"

Mitter hat es sich auch auf die Fahnen geschrieben, dem Verband und den Athlet:innen Selbstvertrauen einzuimpfen. Man dürfe sich durchaus mehr zutrauen und nach Höherem streben.

"Es geht darum", führt Mitter aus, "wenn man mal Fünfter wird, nicht zu sagen: Gut, das passt schon."

"Oder: Den Audi habe ich in der Tasche", ergänzt Stecher in Anspielung auf den fahrbaren Untersatz, den die ÖSV-Nationalteamkader-Athlet:innen vom Sponsor bekommen.

Der ÖSV will sich nicht verstecken

Statt Understatement will man Entschlossenheit sehen, wie auch ÖSV-Männer-Cheftrainer Marko Pfeifer gegenüber der "APA" fordert.

"Unser Anspruch soll sein, jedes Rennen so in Angriff zu nehmen, dass wir gewinnen wollen. Wir sind Österreich, wir haben in jeder Disziplin ein bis zwei bis mehrere Leute, die Rennen gewinnen können und werden. Wir brauchen uns nicht verstecken."

Die Erwartungshaltung niedrig zu halten, davon hält auch Mitter nicht viel.

"Es wird immer um etwas gehen – egal ob bei einem Nachwuchs-Läufer oder Weltcup-Sieger. Sie wollen sich ja messen, sonst bräuchten sie nicht mitfahren."

Die besten Urlaubsbilder 2026 der Ski-Stars

Kommentare