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Hundertstelkrieg im Stangenwald

Fehler sind tabu, Attacke ist Pflicht: Der Slalom ist ein Tanz auf der Rasierklinge. Deshalb sind das Niveau und die Dichte aktuell so hoch wie in keiner anderen Disziplin.

Hundertstelkrieg im Stangenwald Foto: © GEPA

Als Manuel Feller am Sonntag in Kitzbühel das oberste Treppchen des Podests bestieg, war er der sechste unterschiedliche Sieger im achten Saison-Slalom. Nur der Norweger Atle Lie McGrath und der Franzose Paco Rassat konnten in diesem Winter zwei Rennen gewinnen.

Die Entwicklung im Slalom ist beachtlich: In den vergangenen fünf Saisonen schafften es 31 verschiedene Athleten im Weltcup aufs Podest. In keiner anderen Disziplin gibt es derzeit eine derartige Dichte an Weltklasse-Fahrern.

"Es ist definitiv nochmal kompakter geworden. Aktuell gibt es sicher zehn Leute, die ein Rennen gewinnen können und 30 Leute, die aufs Podium fahren können. Das gibt es in keiner anderen Disziplin", sagt Manuel Feller.

Der Slalom, die neue Königsdisziplin?

Volles Risiko gefordert - keine Fehler erlaubt

Der Slalom ist nicht mehr nur Zickzack, nicht mehr nur Rot und Blau, es ist ein Wechselspiel aus Spektakel und Spannung. Oft entscheiden Hundertstel über Sieg oder Platz zehn, die Leistungsunterschiede sind minimal. Fehler werden erbarmungslos bestraft, Perfektion und gnadenlose Attacke sind Pflicht.

Wenn man versucht, einen Lauf sicher ins Ziel zu bringen, bekommt man sofort eine auf den Deckel.

Johannes Strolz über das Niveau im Slalom

"Im Slalom hat man keinen Spielraum mehr, um groß zu taktieren. Wenn man versucht, einen Lauf sicher ins Ziel zu bringen, bekommt man sofort eine auf den Deckel", sagt Johannes Strolz.

"Früher hat man ein Rennen in gewissen Passagen gewonnen. Jetzt muss man schon den ganzen Lauf - bis auf zwei, drei Tore, wo man taktisch fahren muss - attackieren, weil es von zehn Leuten immer zwei, drei schaffen, es auf den Punkt zu bringen. Wenn du da dabei sein willst, musst du das Risiko eingehen", erklärt Feller.

Der klassische Carving-Schwung war einmal, heute führt die direkte Linie zum Erfolg. Der Grat zwischen Attacke und Ausfall ist ein schmaler. In Kitzbühel schieden von 69 Startern 24 aus.

"Fehler hat man sich die letzten Jahre schon nicht leisten können, wenn man aufs Podium will. Jetzt kannst du sie dir nicht einmal mehr leisten, wenn du in die Top Ten willst", merkt Feller an.

Der Slalom wird immer internationaler

Unbekümmertheit und Furchtlosigkeit sind im Slalom mittlerweile Trumpf. Das haben in dieser Saison etwa der Finne Eduard Hallberg oder der Franzose Paco Rassat bewiesen, die beide erstmals aufs Weltcup-Stockerl fuhren.

Die Weltspitze im Slalom wird immer internationaler. In dieser Saison standen bereits acht Nationen am Podest, in den Startlisten scheinen regelmäßig Athleten aus Belgien, Spanien, Japan oder Estland auf. Der Grund: Slalom lässt sich fast überall trainieren, sogar in der Skihalle oder auf Matten-Pisten.

Somit ist auch am Mittwoch im Nacht-Slalom in Schladming (ab 17:45 Uhr im LIVE-Ticker) ein heißer Tanz durch die Stangen zu erwarten.

Podest-Fahrer im Slalom seit der Saison 2020/21:

Lucas Braathen (BRA/NOR)

Fabio Gstrein (AUT)

Clement Noel (FRA)

Marco Schwarz (AUT)

Eduard Hallberg (FIN)

Dave Ryding (GBR)

Paco Rassat (FRA)

Dominik Raschner (AUT)

Armand Marchant (BEL)

Daniel Yule (SUI)

Atle Lie McGrath (NOR)

Ramon Zenhäusern (SUI)

Timon Haugan (NOR)

AJ Ginnis (GRE)

Loic Meillard (SUI)

Alexander Steen Olsen (NOR)

Henrik Kristoffersen (NOR)

Filip Zubcic (CRO)

Manuel Feller (AUT)

Sebastian Foss Solevaag (NOR)

Linus Strasser (GER)

Alexis Pinturault (FRA)

Kristoffer Jakobsen (SWE)

Johannes Strolz (AUT)

Albert Popov (BUL)

Giuliano Razzoli (ITA)

Samuel Kolega (CRO)

Sandro Simonet (SUI)

Alex Vinatzer (ITA)

Victor Muffat-Jeandet (FRA)

Michael Matt (AUT)

Die 10 Männer mit den meisten Slalom-Weltcupsiegen

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