"Dorthin gehen, wo der Skisport eine Begeisterung erlebt. Wo Publikum und Szenerie sind, die Landschaft dazu passt. Das muss man forcieren."
Es gehe auch nicht mehr darum, bestimmte Ergebnisse abzurufen und eine Erwartungshaltung der Öffentlichkeit zu erfüllen: "Ich habe meine Pokale im Regal. Sölden 2024 war eines der schönsten Rennen. Aber man hat gesehen, was bei Lindsey Vonn möglich ist. Wie es dann bei den Herren ist? Da bin ich der erste, der das versucht. Es ist echt ein Projekt."
Auch sei die Sache nicht vergleichbar, weil Hirscher ein Techniker ist: "Aus meinem Gefühl heraus macht im Speed-Bereich die Erfahrung viel vom Erfolg aus."
Mehr Einfühlen möglich
Apropos Erfahrung: Die schwere Verletzung sei "eine Erfahrung mehr".
"Es ist natürlich nicht super, aber man kann es viel besser einordnen. Auch für das, was es heißt, wenn ein Athlet bei uns so ein Thema hat. Ich kann das jetzt mitfühlen. Ich war immer unverletzt. Aber sowas kann die Karriere kosten", fühlt Hirscher noch besser mit.
"Bei uns" heißt im dem Fall bei Van Deer. Das Business läuft - und zwar sehr zufriedenstellend: "Ich bin extrem positiv überrascht."
Generationenwechsel bei Van Deer
Auch, wenn im Weltcup mit Henrik Kristoffersen das erste große Werbe-Zugpferd jetzt wieder absprang.
"Ich bin extrem dankbar für das, was wir gemeinsam erreicht haben, ohne Henrik würden wir nie so dastehen wie jetzt. Er hat extrem geliefert", bedankt sich Hirscher beim Norweger.
"Aber es war für uns beide an der Zeit zu sehen, wir gehen den nächsten Schritt mit der neuen Generation und Henrik wollte etwas Neues für seine letzten, vermutlich vier Jahre, schätze ich."
Neues Zugpferd, auch für den Einstieg in die Frauen-Sparte, ist neben Timon Haugan Paula Moltzan. Dazu beschäftigt sich Hirscher nun mehr mit der Jugendförderung.
"Wir werden jetzt die Podien nicht mehr am Fließband produzieren, das wird jetzt ein, zwei Jahre dauern. Timon kann jedenfalls in beiden Disziplinen (Riesentorlauf und Slalom, Anm.) gewinnen."
Back to the Basics - und sie stärken
Beim Thema des neuen FIS-Präsidenten ist Hirscher ehrlich: "Ich kann es nicht beurteilen - ich kenne den alten Präsidenten nur vom Hallo sagen, den neuen habe ich noch gar nicht gesehen."
Hinsichtlich der Zukunft des Skisports appelliert der erfolgreichste Läufer aller Zeiten daran, "die Stärken zu stärken": "Dorthin gehen, wo der Skisport eine Begeisterung erlebt. Wo Publikum und Szenerie sind, die Landschaft dazu passt."
So bereite ihm etwa das Zurückdenken an die Weltmeisterschaft in St. Moritz 2017 immer noch Gänsehaut.
"Das muss man forcieren. Vielleicht auch die Weltcups von Frauen und Männern fusionieren - ich finde die Weltcup-Finali immer cool, da geht es zack, zack, zack. Das Starterfeld vielleicht auf 30 Athletinnen und Athleten reduzieren, den Europacup und die FIS-Rennen damit aufwerten. Aber das ist nur meine Meinung", regt Hirscher an.
Stichwort Formel 1 bedeutet auch Stichwort Netflix - beim Marketing wäre es ebenfalls anzuraten, neue Wege einzuschlagen. "Es ist eine Systemfrage, die Zutaten dafür, die Ideen und Athleten sind da."