70! Happy Birthday, Ski-Kaiser Franz Klammer!
Schulfrei, Straßen leer, Betriebe stehen still
Es war eine Ausnahmefahrt in einem nationalen Ausnahmezustand. Später tausendfach medial dokumentiert, über die Jahrzehnte. Die Straßen, auch in der Bundeshauptstadt Wien, waren nahezu menschenleer, in den Schulen war früher Schluss, die Betriebe und Fabriken standen kurz still.
Stattdessen drängten sich Massen in den Gasthäusern und Cafés um die TV-Geräte. Und Massen in den Wohnzimmern zuhause. Alle Blicke, all die Erwartung, all die Hoffnung, all die Spannung war auf einen 22-jährigen, nach außen stets unbekümmert wirkenden Kärntner gerichtet. Österreich, einig Klammer-Land.
Abschied 1985
In seiner Laufbahn sollte Klammer anschließend noch zwölf Weltcuprennen gewinnen. Eine dreijährige Durststrecke überwand er, seinen letzten Weltcupsieg feierte der "Kaiser" 1984 in Kitzbühel.
Den Abfahrtsweltcup entschied er fünfmal (1975, 1976, 1977, 1978, 1983) für sich. Seine 25 Weltcup-Siege in der Abfahrt sind bis heute einsamer Rekord.
1985 gab Klammer bei einer Pressekonferenz in Las Vegas seinen Rücktritt bekannt. Dass er niemals den Gesamtweltcup geholt hat, bedauert er nicht. "Das ist müßig, da noch nachzuwassern. Das sind die Fakten, und so war es."
Von Beruf Franz Klammer
Von 1985 bis 1988 mutierte Klammer zum Autorennfahrer in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) - und dies durchaus erfolgreich. Seit den 1990er-Jahren ist er Werbestar, Testimonial, Markenbotschafter, Konsulent für mehrere Unternehmen und Institutionen sowie als zu buchender "Ski-Guide" umtriebig.
So vertraut etwa auch die Kärnten Werbung seit langem auf die ungebrochene Strahlkraft eines der größten Söhne des Landes. Nur ein Ausflug in die Modebranche ging schief. Doch in erster Linie war und ist Franz Klammer vor allem eines von Beruf: Franz Klammer. Der Name steht für sich.
Der heute 72-jährige "Kaiser" hatte auch immer ein großes Herz: 1998 gründete er die Franz Klammer Foundation, die in Not geratene oder sozial benachteiligte Sportler unterstützt. Hier spielte auch eine Erfahrung im eigenen Umfeld mit: Sein Bruder Klaus ist seit einem Unfall bei einer FIS-Abfahrt in Lienz 1977 querschnittgelähmt.
Eine österreichische Legende ist Klammer bis heute geblieben. Ein Unikat, immer und überall gern gesehen, omnipräsent. Gesellig, locker, Optimismus und Lebensfreude ausstrahlend.
Legende, Film, Familie und "50er-Feier"
"Diese Geschichte des Bergbauernbuam, der zum Superstar wird. Und trotzdem immer ein 'Hands-on-Mensch' geblieben ist. Der in dem einen Moment die Hoffnungen einer ganzen Nation erfüllt. Dieser Olympiasieg bleibt ewig. Da steckt so viel Potenzial drinnen", beschrieb der Innsbrucker Historiker Wolfgang Meixner im APA-Gespräch das Phänomen Klammer.
Dies beweise auch, dass erst vor rund vier Jahren ein Kinofilm über Klammers monumentalen Sieg mit dem Titel "Klammer - Chasing the Line" herauskam und trotz Corona-Zeit mehr als 40.000 Menschen in die Kinos lockte.
Klammer ist seit 1979 mit seiner Eva verheiratet. Er lebt im 13. Bezirk in Wien sowie in seiner Heimat Mooswald in der Gemeinde Fresach. Klammer hat zwei Töchter, Sophie und Stephanie, und ist mittlerweile auch Opa. Sportlich aktiv ist der leidenschaftliche Golfer und Radfahrer nach wie vor - und vor allem viel unterwegs. "Er hat das Glück, ein Leben leben zu können, so wie er es will. Es ist keine besondere Kunst, eine glückliche Ehe zu führen, mit einem glücklichen Menschen", bilanzierte einmal Ehefrau Eva.
Und Klammer wäre nicht Klammer, würde nicht auch gern und ausgiebig gefeiert: So auch anlässlich des 50er-Olympia-Jubiläums. So lädt die Klammer Foundation am Dienstag, zu einem Charity-Dinner nach Innsbruck-Igls und steht am Mittwoch unter anderem ein Legendenrennen am Patscherkofel am Programm - mit Bernhard Russi inklusive. Alles für den guten Zweck. Und in fröhlicher Erinnerung an jenen Tag, der sein Leben für immer veränderte.