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Leberkässemmel als Ass im Ärmel: Jubiläum für Morgenstern-Gold

Kärntner sprang 2006 in Turin zum bisher letzten Einzel-Olympiasieg der ÖSV-Adler. Welche Rolle die Leberkässemmel in Morgensterns Vorbereitung spielte:

Leberkässemmel als Ass im Ärmel: Jubiläum für Morgenstern-Gold Foto: © GEPA

Auch dank einer Leberkässemmel ist Thomas Morgenstern vor 20 Jahren in Italien zu seinem größten Triumph gesprungen.

Der Kärntner krönte sich 2006 in Turin als 19-Jähriger mit einem winzigen Vorsprung von 0,1 Pkt. vor seinem damaligen Zimmerkollegen Andreas Kofler zum Olympiasieger und ist bis dato der letzte heimische Skispringer, dem dieses Kunststück in einem Einzelbewerb unter den Ringen gelang.

Auf dem Weg zur Goldmedaille brach Morgenstern aber mit sämtlichen Routinen.

"Festplattenlöschung" nach der Normalschanze

Denn bevor sich Morgenstern auf der Großschanze im Stadio del Trampolino in Pragelato seinen großen Traum erfüllte, hatte er so wie Kofler auf der Normalschanze wegen Rückenwindes im zweiten Durchgang eine Medaille verpasst.

"Da waren wir die großen Favoriten", erinnerte sich der 39-Jährige im APA-Gespräch. Das sei sehr schwer zu verarbeiten gewesen.

"Wir haben davor ausgemacht, dass wir auf alle Fälle feiern gehen werden. Entweder, wir haben etwas zu feiern, oder wir gehen Frustfeiern. Schlussendlich ist in einer Bar in Sestriere eine Festplattenlöschung passiert."

"Leberkas-Pepi" in Sestriere

Das Kopfweh am nächsten Tag steckte Morgenstern gut weg, auch weil der damalige ÖSV-Cheftrainer Alexander Pointner eine ungewöhnliche Idee hatte. "Er meinte, dass wir nach Sestriere zum Leberkas-Pepi gehen. Weil jeder, der eine Leberkässemmel gegessen hat, hat eine Medaille gemacht", erzählte der frühere Überflieger.

"Da nimmst du natürlich jeden Aberglauben mit. Die Bewältigungsstrategie hat geholfen, auch wenn sie nicht die beste ist, die man anwenden sollte."

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Foto: ©GEPA

Am Ende setzte sich Morgenstern mit dem kleinstmöglichen Abstand vor dem Halbzeitführenden Kofler durch. Nach einem "Jahrhundertsprung" im zweiten Durchgang habe er im Auslauf auf seinen Freund gewartet.

"Kofi ist fast gleich weit gesprungen, hat aber die Landung verhaut, was ich aber nicht mitbekommen habe. Ich bin dann zu ihm gelaufen, habe ihn umarmt und gesagt: 'Hey, du bist Olympiasieger. Wir haben beide eine Medaille, voll geil.'

Auf einmal höre ich im Hintergrund den Stadionsprecher, der sagt: 'Thomas Morgenstern is ahead of Andreas Kofler.' In meiner Nervosität habe ich dann nicht gewusst, was ahead (engl. vor, Anm.) bedeutet", blickte er zurück.

Lange von Olympia-Gold profitiert

Seinen größten Erfolg habe er danach lange nicht realisiert, sagte Morgenstern. "Das war etwas, was auch die weitere Karriere pusht. Olympiasieger bist du ein Leben lang. Viele werden nicht Olympiasieger, weil an diesem Tag alles zusammenpassen muss."

Sportlich gesehen sei aber der Gesamtweltcup und die Vierschanzentournee, wo man länger performen müsse, höher einzuordnen. Nach dem Einzel-Olympiasieg herrschte zwischen Morgenstern und Kofler jedenfalls keine ungute Stimmung.

"Wir haben die Medaillen links und rechts beim Bett aufgehängt und sind dann die Mission Mannschaftsspringen angegangen." Mit Erfolg, Kofler durfte sich damals wie Morgenstern über die erste von insgesamt zwei Team-Goldenen freuen.

Das waren Österreichs Rekord-Medaillen-Helden in Turin 2006

Morgenstern: Hörl und Embacher mit Vorteilen

Bei den anstehenden Winterspielen in Italien traut Morgenstern vor allem Jan Hörl und Stephan Embacher den großen Sprung zu.

Denn in Predazzo herrscht traditionell Rückwind. Zudem liegen die Schanzen auf knapp mehr als 1.000 Meter Seehöhe, weshalb die Luft dünner ist als üblich.

"Den beiden traue ich bei diesen Bedingungen sehr viel zu. Absprungstärkere haben da eher einen Vorteil als reine Fliegertypen."

"Krafti würde ich es voll vergönnen"

Der Geheimtipp für einen Olympiasieg - außer einer Leberkässemmel? "Wichtig ist bei Großereignissen, dass man einfach das abruft, was man draufhat und nicht probiert, noch ein Alzerl draufzulegen. Weil dann geht es meistens nach hinten los", betonte Morgenstern, der es "voll cool" finden würde, wenn sich bei seinem Jubiläum ein weiterer ÖSV-Adler den Olympiasieg holt.

"Krafti würde ich es voll vergönnen, weil es die Krönung seiner herausragenden Karriere wäre", sagte er über Stefan Kraft.

Mit 14 Goldmedaillen, drei bei Olympia, acht bei Weltmeisterschaften und drei bei Skiflug-Weltmeisterschaften, gehört Morgenstern zu den erfolgreichsten Skispringern überhaupt.

Neben Morgenstern, der seine Karriere im Alter von 27 Jahren nach schweren Stürzen beendet hat, haben nur vier weitere Athleten (Kamil Stoch, Jens Weißflog, Matti Nykänen und Espen Bredesen) zumindest einen Olympiasieg, WM-Titel, Gesamtweltcupsieg und Triumph bei der Vierschanzentournee in der Vita stehen.

Immer wieder ist der gelernte Hubschrauberpilot noch persönlich bei Bewerben dabei - auch in Predazzo. Da würde es ihn dann schon immer wieder sehr reizen, mitzuspringen, betonte er. "Da denke ich mir oft: Ich will um den Sieg mitfighten, gebt mir ein Paar Ski." Ein Comeback ist aber freilich kein Thema mehr. "Dafür hat sich mein Körper zu sehr in die Breite entwickelt", sagte Morgenstern und lachte.

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