"Der Skisport schreibt schöne Märchen, das ist eines."
Vater Rene untersützt seine Kinder seit Beginn ihrer Karrieren, als Trainer und Servicemann.
"Er hat meine Ski gemacht, bis ich in den Europacup gekommen bin und meinen eigenen Servicemann bekommen habe", erzählt Raphael. Seit dieser Saison ist Papa Haaser für die Arbeitsgeräte von Ricarda verantwortlich.
"Es war mir ein großes Anliegen, dass er meine Ski präpariert, weil er einfach genau weiß, was ich brauche und wir verstehen uns sehr gut, was die Kommunikation betrifft. Er hat einen super Job gemacht", lobt die 29-Jährige.
Die beiden saßen gerade im Auto auf dem Weg zum Training, als Raphael den größten Erfolg seiner Karriere einfuhr und das vor dieser WM kaum vorstellbare Familienglück verdoppelte.
"Der Skisport schreibt schöne Märchen, das ist eines", sagt ÖSV-Cheftrainer Marko Pfeifer über die Haasers.
"Die Geschichte mit meiner Schwester macht es noch schöner"
"Es ist natürlich mega, ich freue mich riesig. Ein super Tag. Die Geschichte mit meiner Schwester macht es noch um einiges schöner", betont der um vier Jahre jüngere Raphael. "Ich habe mich auch sehr gefreut für sie und probiert, den Schritt nachzumachen."
Schwester Ricarda hatte nach ihrer Bronze-Medaille schon prophezeit, dass ihrem Bruder ähniches gelingen könnte.
"Sie hat mich überhaupt nicht unter Druck gesetzt, sie hat mir eher ein bisschen den Druck genommen durch ihre Medaille. Es hat mich gepusht!"
Die unverhofften Höhepunkte zweier Karrieren
Wirklich angekündigt hatte sich der Erfolg nicht. Ricarda war das Potenzial für Topplatzierungen öfter bescheinigt worden. Die auch von Bandscheibenvorfällen gezeichnete Tirolerin hatte es aber nicht geschafft, das am Tag X unter Beweis zu stellen.
"Ricarda ist eine Athletin, die seit vielen Jahren schon auf einem hohen Niveau fährt, sich aber schwertut, das im Rennen immer abzurufen. Jetzt hat sie es geschafft, und ich hoffe, in Zukunft gelingt ihr das öfter", sagt ÖSV-Frauen-Cheftrainer Trinker.
Raphael hat im Gegensatz zu seiner älteren Schwester schon einen Podestplatz im Weltcup auf dem Zettel. 2021 belegte er im Super-G in Bormio Platz zwei.
"Das war der bisherige Höhepunkt meiner Karriere. Da habe ich mir gedacht: Ok, ich bin eigentlich gar nicht so weit weg von da vorne. Mir ist es dann leider nicht gelungen, eine Konstanz an den Tag zu legen. Es waren immer wieder gute Teilabschnitte dabei, aber es hat meistens nicht so ganz zusammengepasst", blickt der 25-Jährige zurück.
Es ist noch gar nicht so lange her, da erlebte Raphael Haaser den schwierigsten Tag seiner Karriere. Beim Riesentonrlauf in Alta Badia im Dezember kam er beim Einfahren so unglücklich zu Sturz, dass er seinen ebenfalls auf der Piste befindlichen Servicemann "abräumte". Dieser erlitt dabei einen Schien- und Wadenbeinbruch. Für Haaser ein prägendes Ereignis.
Umso schöner glänzt nun die Bronze-Medaille. Ähnlich wie Schwester Ricarda, die am Vorabend von den Teamkolleginnen geherzt und gefeiert wurde, wird auch Raphael das Feierbiest in Maßen heraushängen lassen. "Wenn es was zum Feiern gibt, sollte man auch feiern", sagt er.
Zu feiern gibt es bei den Haasers dieser Tage definitiv genug.