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Cornelia Hütter: "Skifahrerin zu werden war nie der Plan"

Die Steirerin ist bei der Olympia-Abfahrt eine der Gold-Anwärterinnen. Dabei fuhr sie früher lieber Snowboard und hatte keine Lust auf Training. Hütters "definitiv nicht normaler" Weg an die Spitze.

Cornelia Hütter: "Skifahrerin zu werden war nie der Plan" Foto: © GEPA

Olympische Spiele sind in einem Sportlerleben etwas ganz Besonderes. Nicht jedem oder jeder ist eine Teilnahme vergönnt.

Cornelia Hütter nimmt in Mailand/Cortina an ihren bereits vierten Winterspielen teil und ist in der Olympia-Abfahrt eine der Gold-Anwärterinnen. Dabei wollte die Steirerin gar nie Skirennfahrerin werden.

Mein Weg war definitiv nicht normal.

Cornelia Hütter über den Verlauf ihrer Karriere

Aufgewachsen in Kumberg bei Graz hatte Hütter im Gegensatz zu vielen ihrer Kolleginnen und Konkurrentinnen keinen Lift vor der Haustüre. Auf Skiern stand sie erstmals mit zwei Jahren im Skiurlaub.

Zum Skirennsport ist Hütter erst vergleichsweise spät, mit elf Jahren, gekommen. Davor fand sie Snowboarden viel cooler. Auf zwei Brettln deutete zunächst wenig auf eine Spitzensport-Karriere hin.

"Ich fand es lässig, mit den Burschen Waldwegerl zu fahren und richtig zu "heizen" und nicht irgendwelche Stangen zu fahren oder zu trainieren", erzählt Hütter und sagt: "Mein Weg war definitiv nicht normal."

Ein hyperaktives Kind

Sie sei ein "sehr hyperaktives, aufgedrehtes" Kind gewesen, berichtet die heute 33-Jährige. "Meine Eltern haben geschaut, dass sie mich irgendwie in Zaum halten und beschäftigen, damit mir kein Blödsinn einfällt."

"Der Sport", sagt Hütter, "war extrem wichtig für mein Leben, nicht nur weil ich Skirennfahrerin geworden bin – das war nie der Plan –, sondern einfach weil ich mit meiner Freizeit etwas Sinnvolles angefangen habe."

Für die Unterstützung ihrer Eltern ist sie bis heute dankbar. "Egal, ob man Skifahrerin, Mathematiker oder sonst was werden will: Wenn man die Leidenschaft und Unterstützung von zuhause bekommt, hat man schon gewonnen. Dann kann man so viel erreichen."

Hütters zache Olympia-Erfahrungen

Erreicht hat Hütter in ihrer Ski-Karriere schon einiges, unter anderem zehn Weltcup-Siege und WM-Bronze im Super-G 2023.

Eine Olympia-Medaille fehlt noch in ihrer Sammlung. Vielleicht auch, weil die Ehrfurcht vor Olympischen Spielen bisher zu groß war.

2014 in Sotschi war ich komplett verloren mit meinem Leben.

Hütter über ihre ersten Olympischen Spiele

"2014 in Sotschi war ich komplett verloren mit meinem Leben. Da war Olympia, da war Russland und ich war mittendrin und habe mich nicht ausgekannt", denkt die Steirerin an ihre ersten Spiele zurück.

"Das waren schon Erfahrungen, die in dem Moment zach waren, weil du gefühlt nicht weißt, wo links und rechts ist. Aber ich glaube, sowas macht einen stärker. Die Erfahrungen, die ich von den letzten drei Spielen mitgenommen habe, können mir heuer definitiv helfen."

Hütters offene Rechnung mit Cortina

Hinzu kommt, dass mit Cortina und der Tofana ein vertrautes Terrain wartet. "Ich kenne die Abläufe und Wege, sei es mit den Liften oder abseits der Piste. Darüber brauche ich nicht mehr nachzudenken, es stresst mich nicht und dafür ist in meinem Kopf Platz für was anderes. Ich glaube, das ist heuer definitiv der große Punkt und ein Vorteil", sagt Hütter.

Bei ihren vierten Spielen will die 33-Jährige Gelassenheit walten lassen. "Olympische Spiele sind nie selbstverständlich, aber ich versuche, eine gewisse Ruhe mitzubringen. Ich will mich auf die Tofana konzentrieren und das Drumherum ein bisschen beiseite lassen."

Am Start werde sie trotzdem nervöser sein als bei einem Weltcup-Rennen, ist sich Hütter sicher, das sei aber auch gut so.

In Cortina stand die Speed-Spezialistin in der Abfahrt noch nie am Podest. "Da habe ich noch eine Rechnung offen sozusagen."

Hütter: "Ich sage jetzt nicht, ich gewinne Olympia"

Eine Abfahrt hat der ÖSV-Star in diesem Winter schon gewonnen, nämlich in Val d'Isere. "Ich bin aber auch schon 20. geworden", merkt Hütter an. Sie sei in dieser Hinsicht bisher ein Überraschungsei.

"Das ist eine meiner Stärken, ich sehe nichts extrem negativ oder positiv. Ich sage nicht: Ich habe heuer schon ein Rennen gewonnen, jetzt gewinne ich auch Olympia. Ich glaube, dass ich schon am Boden der Realität bin."

Neben ihrem Realitätssinn bescheinigt sich Hütter selbst auch ein gewisses Maß an Sturheit. "Wenn ich mir was für mich einbilde, dann wär's schon gut, wenn so wäre. Manchmal kann man die Sturheit in Zielstrebigkeit umwandeln, die braucht man auch – nicht nur auf der Skipiste, sondern auch im Leben."

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