Thomas Schuster, Bürgermeister von Rasen-Antholz, verwies im APA-Gespräch auf die große Dimension der Investitionen in ebenjene Biathlonanlage, auch "Südtirol Arena" genannt. Neben der Erneuerung eines Streckenabschnitts im Zielbereich wurden etwa ein Lager für Waffen und Munition sowie ein eigener Medienbereich eingerichtet.
Zudem wurde die Anlage unterirdisch verbunden sowie die Fassade inklusive Photovoltaikanlage mit einer Höchstleistung von etwa 360 Kilowatt erneuert. Für die olympischen Biathlonbewerbe in der "Südtirol Arena" rechnete Schuster indes - ähnlich wie bei einer Weltmeisterschaft - mit insgesamt rund 150.000 bis 170.000 Besucherinnen und Besuchern.
Sie würden "natürlich auch Wertschöpfung hinterlassen" sowie künftig potenzielle Gäste für die erweiterte Tourismusregion darstellen. Zum Vergleich: Bei der jährlichen Weltcup-Veranstaltung seien es meist "nur" etwa 60.000 Besucher.
Umstrittenes Speicherbecken
"Der Umbau des Zieleinlaufs ist sowieso bereits seit Jahren Thema mit der Internationalen Biathlon Union (IBU) gewesen", erläuterte indes Lorenz Leitgeb, Präsident des Antholzer Biathlon-Weltcup-Komitees. Nun sei jedenfalls ein kritischer Kreuzungspunkt zwischen Auslauf vom Schießstand und Einlauf ins Zielgelände entschärft worden, erklärte er.
Während etwa 37 Millionen Euro in die beschriebene Modernisierung des Stadions investiert wurden, flossen die restlichen 21 Millionen Euro in weitere Ausbauarbeiten an der Sportstätte - etwa eine Beleuchtungs- und Beschneiungsanlage sowie ein umstrittenes Speicherbecken.
Kritiker, darunter Umweltverbände und Anrainer, hatten mit Blick auf das neue Speicherbecken die Rodung von etwa 2,5 Hektar Bergwald, Sicherheitsrisiken durch die Lage in einer Lawinenzone sowie die angebliche Zerstörung der Natur bemängelt. Leitgeb verwies hingegen darauf, dass man dadurch die Beschneiung der Biathlonstrecke "viel schneller" durchführen und den Betrieb der Beschneiungsanlage auf "weniger Tage reduzieren" könne und somit Energie einspare. Das neue Speicherbecken sei jedenfalls bereits getestet und genutzt worden. In der kommenden Saison solle es dann regulär zur Verfügung stehen.
Fokus auf Sicherheit
Künftig versuche man die Anlage als allgemeines Trainingszentrum zu etablieren, das neben Biathlonprofis auch Sommer- sowie Hobbysportler anzieht, erklärte Erika Pallhuber, Generalsekretärin des Biathlon-Weltcup-Komitees. Man spiele zudem mit dem Gedanken, zu einem sportmedizinischen oder Physiotherapie-Zentrum zu werden.
(Text wird unterhalb fortgesetzt)
Die Stimmung im Organisationskomitee sei indes "richtig gut", sagte Pallhuber. Ein großer Teil des Teams komme aus dem Kreis jener Helferinnen und Helfer, die üblicherweise den Weltcup unterstützten. Für den Einsatz bei Olympia seien jedoch viele zusätzliche Schritte nötig gewesen, etwa Arbeitssicherheitskurse und arbeitsmedizinische Untersuchungen.
"Das war ein wenig beschwerlich, aber jetzt freuen sich alle", betonte die Generalsekretärin. Bei Olympia sei der Sicherheitsaspekt grundsätzlich "viel, viel größer als beim Weltcup". Vorgesehen seien etwa Einlasskontrollen, eine großflächige Umzäunung des Stadions sowie Videoüberwachung. Zudem werde deutlich mehr Sicherheitspersonal im Einsatz stehen, darunter Carabinieri und Polizei.
Anreise mit Öffis empfohlen
In puncto Anreise gab es indes eine klare Empfehlung: Die einfachste und schnellste Variante sei die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, erklärte Pallhuber. Ab dem Bahnhof Olang würden jedenfalls kostenlose Shuttlebusse bis zum Biathlon-Stadion fahren.
Die Anreise mit dem Auto sei zwar auch möglich, jedoch mit zusätzlichen Kontrollen verbunden: Bereits an der Taleinfahrt müsse etwa das Ticket vorgewiesen werden. Zudem seien Parkmöglichkeiten begrenzt. Vom Bahnhof Olang oder bei Auto-Anreise über Niederrasen bis ins Stadion seien "eineinhalb bis zwei Stunden" einzuplanen, sagte Pallhuber.
Messner: Lob für Südtirol, vermisst Nachhaltigkeit in Cortina
Die Debatten rund um Olympia wurden auch von einem der bekanntesten Südtiroler, der Bergsteigerlegende Reinhold Messner, äußerst interessiert verfolgt.
"Ich respektiere diese weltweiten und friedensstiftenden Spiele natürlich", erklärte dieser im Gespräch mit der APA. Wenngleich er, als traditioneller Alpinist früher keine Olympischen Spiele gebraucht" habe, merkte der 81-Jährige an: "Wir traditionelle Alpinisten messen uns außerhalb des Wettkampfes, weil wir einen Sport betreiben, der nicht messbar ist."
Wenig kritische Anmerkungen hatte Messner bezüglich der Biathlon-Olympia Austragung in Südtirol auf Lager. Es freue ihn, dass der Biathlon-Sport in Südtirol zuletzt "so stark zurückgekommen ist". Das Land habe "viel Zeit, Geld und Ideen in das Areal gesteckt", lobte die Bergsteiger-Ikone.
Nicht nur wegen der sanierten Biathlonanlage sei Antholz heute jedenfalls "ein Mekka des Biathlon" - und das solle auch so bleiben. Etwas bemängelt wurde von der Alpinistenlegende jedoch, der seiner Ansicht nach mangelnde Hinweis auf Nachhaltigkeit.
Kritik an neuer Bob-Bahn in Cortina
"Wir haben das zum Beispiel am Helm im Pustertal gemacht. Der Skibetrieb ist dort ergänzt durch eine nachhaltige, beispielgebende Struktur: Das Reinhold-Messner-Haus." Mehr solcher Projekte hätte er sich auch im Rahmen der Investitionen für die Olympischen Spiele gewünscht.
Ein größerer Kritikpunkt betraf unterdessen die neue Kunsteisbahn in Cortina d'Ampezzo. "Es ist eklatant, dass man in Cortina eine neue Bobbahn für viel Geld gebaut hat, obwohl diese nach Olympia vermutlich kaum noch genutzt werden wird", bemängelte Messner.
Man hätte jedenfalls nach Innsbruck bzw. Igls ausweichen und die dort bereits bestehende Bobbahn nutzen können, sagte er. Dies wäre im Sinne der Nachhaltigkeit gewesen.